Fechten auf Leben und Tod – verschiedene Strategien.

nach Talhoffer von 1459, Tafel 30

Beim Fechten auf Leben und Tod, muß der Fechter im Vorfeld einige Grundentscheidungen treffen. Welches Ziel verfolge ich? Daraus ergibt sich auch, welches Risiko der Fechter bereit ist, einzugehen. Diese Risikobereitschaft kann im Extremfall den eigenen Tod billigend in Kauf nehmen.

Oftmals ist die Vermeidung eines Kampfes auch eine Strategie. Der Fechter ist hier nur für den Notfall zu einem Kampf bereit.

Verschiedene Situationen:

Ein Fechter steht mehreren Gegnern gegenüber.

In dieser Situation ist ein Kampf fast immer aussichtslos. Die Kontrahenten werden ihn früher oder später umringen und gefangen nehmen oder töten.

Hieraus ergibt sich eine Möglichkeit, die mit der schlichten Flucht beginnt. Wenn sich das Feld der Verfolger auseinander zieht, kann sich der Verfolgte zum Kampf stellen und mit etwas Glück den ersten Verfolger verwunden oder töten, bevor seine Kumpanen ihm zur Hilfe eilen können: einer weniger.

Nun heißt es erneut: rennen. Hat sich das Feld der Verfolger wieder auseinander gezogen, kann der Verfolgte das Spiel wiederholen. Hieraus ergibt sich eine gewisse Überlebenschance, die nicht gegeben wäre, würde sich der Verfolgte gleich zum Kampf stellen.

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Fechten in der Gruppe

Bei dieser Art des Fechtens ist es Wichtig ein Ziel gemeinsam zu erreichen. In einer Schlacht kann dies simples Überleben sein. Dann lautet die Devise: Haltet die Reihen geschlossen und demoliere nicht deinen Nachbarn! Daraus ergeben sich gewisse Einschränkungen hinsichtlich der Schlagtechniken (und Ausholbewegungen).
Bei der gemeinsamen Bekämpfung eines Gegners sollte einer diesen "binden" und ein Mitstreiter kann versuchen sich in den Rücken des Gegners zu bewegen. Gelingt dies, so verkürzt sich die Länge des Kampfes erheblich ...

Ein leicht überlegener Gegner

kann durch einen Bluff getäuscht und entmutigt werden. Biete man seinem Gegner zum Beispiel an, er dürfe sich einen seiner Freunde zu Hilfe holen, (man würde auch auf ihn warten,) so kann dies zu dessen erheblichen Verunsicherung führen. Eventuell kann man sogar mit diesem Bluff den Kampf vermeiden. Und in vielen Situationen ist ein nicht geführter Kampf ein gewonnener Kampf sein. Wer um des Kampfes Willen kämpft ist häufig ein extrem guter Fechter (der durch seine großen Fähigkeiten mit dem Gegner „spielen“ kann) oder er ist mit mäßiger Intelligenz gesegnet. Letzteres dürfte der häufigere Fall sein.

Jeder Kampf ist auch Psychologie


Lautes aggressives Schreien wirkt psychologisch ähnlich wie ein Bluff. Der Nachteil dabei ist, daß hier der Kampf bereits begonnen hat. Außerdem ist darauf zu achten, sich in keinem Kampf dem Konzept des Gegners zu unterwerfen. Organisiere das Spiel nach deinen eigenen Regeln.

Wie kämpft man gegen einen schlechten Fechter?

Schlechte Fechter sind gekennzeichnet durch häufig auftretende Angewohnheiten: große Sprünge statt Schritte, zu kleine Ausfälle, wenig Standfestigkeit.

Einen solchen Fechter sollte man provozierend anzugreifen. Er wird nach jedem Ausfall unsicher stehen. Außerdem wird er alles wenig sicher und chaotisch parieren. Man kann ihn durch Scheinattacken in Sicherheit wiegen, indem man sich und ihm viel Zeit läßt. Dabei darf er jedoch nie zur Ruhe kommen, damit er keine Zeit hat, sich an deinen Stil anzupassen und diesen zu analysieren. Solche Fechter sind oftmals begabt („nur“ Anfänger) und dürfen nicht unterschätzt werden. Unter diesen Bedingungen gilt es einen Fehler des Gegners auszunutzen und diesen zu entwaffnen, oder zu „erledigen“.

Wie kämpft man gegen einen erstklassigen Fechter?!?

Hier gilt es keine Fehler zu machen. Jeder eigene Fehler kann der letzte sein. Große Attacken werden kaum zum Erfolg führen. Erstklassige Ziele, wie Herz und Kopf wird einem ein solcher Gegner nicht bieten – außer im Zuge einer Finte.

Bei einem solchen Gegner führen eher die kleinen Attacken auf Hand, Arme und Beine zum Erfolg. Die Summierung der Schadenswirkungen schwächt den Gegner und macht ihn dadurch beherrschbar.

Eine weitere Möglichkeit sind starke Schläge auf das gegnerische Schwert. Die Erschütterungen schwächen das Handgelenk des Gegners. Dieser wird dadurch unruhig, eventuell läßt er sich sogar zu einer vorschnellen Attacke hinreißen, die dann eine Möglichkeit zum Konter bietet.